Warum Familien eine eigene Haftpflicht brauchen
Kinder sind neugierig, impulsiv und manchmal unberechenbar. Das gehört zum Aufwachsen dazu. Aber es führt auch zu Schäden: Der Sohn tritt den Fußball gegen das Auto des Nachbarn, die Tochter kippt das Glas Saft über den Laptop der Freundin, der Dreijährige reißt im Laden die Glasvase vom Regal. Die Familienhaftpflicht übernimmt diese Schäden.
Im Gegensatz zum Single-Tarif sind im Familientarif der Versicherungsnehmer, der Ehe- oder Lebenspartner und alle Kinder mitversichert. Das gilt für leibliche Kinder, Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder, die im Haushalt leben.
Deliktunfähige Kinder — das Kernthema
Kinder unter sieben Jahren sind nach Paragraph 828 BGB deliktunfähig. Das bedeutet: Sie können rechtlich nicht für Schäden verantwortlich gemacht werden. Im Straßenverkehr gilt die Grenze sogar bis zehn Jahre. Wenn also Ihr fünfjähriger Sohn das Auto des Nachbarn zerkratzt, haftet rechtlich weder das Kind noch automatisch die Eltern — sofern diese ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben.
Das Problem: Der Nachbar bleibt auf seinem Schaden sitzen, und das Verhältnis ist belastet. Deshalb bieten gute Familientarife die Mitversicherung deliktunfähiger Kinder an. Die Versicherung zahlt den Schaden, auch wenn rechtlich keine Haftung besteht. Die Stiftung Warentest bezeichnet diesen Baustein als unverzichtbar für Familien.
Wie lange sind Kinder mitversichert?
Kinder sind im Familientarif mitversichert, solange sie unverhäratet sind und sich in der Erstausbildung befinden. Das umfasst Schule, Studium, Berufsausbildung und freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr. Die meisten Tarife setzen eine Altersgrenze bei 25 Jahren. Danach brauchen die Kinder eine eigene Haftpflichtversicherung.
Vorsicht bei Unterbrechungen: Wenn das Kind zwischen Abitur und Studium jobbt, kann der Schutz lückenlos weiterlaufen. Wenn es aber eine Vollzeitbeschäftigung aufnimmt, endet die Mitversicherung — auch wenn es später noch ein Studium beginnt.
Was die Familienhaftpflicht kostet
Familientarife kosten zwischen 60 und 120 Euro pro Jahr für einen guten Grundschutz. Premium-Tarife mit umfangreichen Zusatzleistungen liegen bei 120 bis 180 Euro. Der Aufpreis gegenüber einem Single-Tarif beträgt nur 20 bis 40 Euro — egal wie viele Kinder mitversichert sind.
Eine Familie mit drei Kindern zahlt also nicht mehr als eine Familie mit einem Kind. Das macht die Familienhaftpflicht zu einer der kosteneffizientesten Versicherungen überhaupt.
Wichtige Zusatzbausteine für Familien
Mietsachschäden: Für Familien in Mietwohnungen essenziell. Kinder verursachen schnell Schäden an der Wohnung — Kratzer im Parkett, Flecken an der Wand, beschädigte Türrahmen.
Schuldhaftpflicht: Schäden, die das Kind in der Schule verursacht, sind mitversichert. Das betrifft beschädigte Tablets, kaputte Fensterscheiben oder verletzte Mitschüler.
Gefälligkeitsschäden: Wenn Sie beim Umzug von Freunden helfen und etwas kaputt geht, springt die Versicherung ein. Ohne diese Klausel wäre der Schaden nicht gedeckt, weil Sie freiwillig geholfen haben.
Tipps für Familien
Prüfen Sie jährlich, ob Ihr Familientarif noch passt. Wenn alle Kinder ausgezogen sind, können Sie auf einen günstigeren Single- oder Paartarif umsteigen. Informieren Sie Ihren Versicherer über Veränderungen: Geburt eines Kindes, Einschulung, Auszug. Das vermeidet Ärger im Schadensfall.