Invalidität: Ein Risiko, das viele unterschätzen
Die Wahrscheinlichkeit, vor dem Rentenalter dauerhaft arbeitsunfähig zu werden, liegt bei rund 25 Prozent. Das ist jeder Vierte. Die häufigsten Ursachen sind psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unfälle machen nur einen kleinen Teil aus — die meisten Invaliditätsfälle entstehen durch Krankheit.
Die finanzielle Lücke ist enorm. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente beträgt durchschnittlich 950 Euro im Monat. Für die meisten Menschen reicht das bei Weitem nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten — geschweige denn, die Zusatzkosten einer Behinderung zu tragen.
Welche Versicherungen gegen Invalidität schützen
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Die wichtigste Absicherung. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Die BU leistet unabhängig von der Ursache — ob Unfall, Krankheit oder psychische Erkrankung. Die Stiftung Warentest bezeichnet sie als die wichtigste Versicherung nach der Haftpflicht.
Private Unfallversicherung: Zahlt eine Kapitalleistung bei dauerhafter Invalidität durch einen Unfall. Sie ist kein Ersatz für die BU, sondern eine Ergänzung — besonders für Personen, die keine BU bekommen oder sich diese nicht leisten können.
Grundfähigkeitsversicherung: Eine Alternative zur BU, die leistet, wenn bestimmte Grundfähigkeiten verloren gehen — etwa Gehen, Sehen, Hören, Greifen oder geistige Leistungsfähigkeit. Sie ist günstiger als die BU, der Leistungsauslöser aber enger definiert.
Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Zahlt erst, wenn Sie gar keinen Beruf mehr ausüben können — nicht nur Ihren erlernten. Der Schutz ist daher schwächer als bei der BU, dafür aber günstiger.
Dread-Disease-Versicherung: Zahlt eine Einmalleistung bei Diagnose bestimmter schwerer Krankheiten — etwa Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Kein klassischer Invaliditätsschutz, aber eine sinnvolle Ergänzung.
Die Absicherungspyramide
Die Verbraucherzentrale empfiehlt folgende Prioritätenreihenfolge: An der Spitze steht die Berufsunfähigkeitsversicherung als wichtigster Schutz. Wer diese nicht bekommt oder sich nicht leisten kann, sollte eine Grundfähigkeitsversicherung oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Alternative in Betracht ziehen. Die private Unfallversicherung ergänzt als drittes Absicherungselement den Schutz um eine Kapitalleistung bei Unfällen.
Im Idealfall kombiniert man mehrere Bausteine. Die BU sichert das laufende Einkommen, die Unfallversicherung liefert zusätzliches Kapital für behinderungsbedingte Umbaumaßnahmen oder Hilfsmittel.
Versicherungssummen richtig kalkulieren
Für die BU-Rente gilt: mindestens 75 Prozent des Nettoeinkommens. Bei 3.000 Euro netto sollte die BU-Rente also mindestens 2.250 Euro betragen. Berücksichtigen Sie dabei, dass im Leistungsfall keine Sozialversicherungsbeiträge mehr abgeführt werden — der tatsächliche Bedarf kann etwas niedriger sein.
Für die Unfallversicherung empfiehlt der GDV eine Grundsumme von mindestens dem Drei- bis Fünffachen des Jahresbruttoeinkommens, kombiniert mit einer Progression von mindestens 350 Prozent.
Gesundheitsprüfung und Ablehnungen
Die Gesundheitsprüfung ist bei der BU besonders streng. Vorerkrankungen — auch psychische — führen häufig zu Ausschlüssen, Risikoaufschlägen oder Ablehnungen. Die BaFin empfiehlt, eine anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler zu stellen. So erfahren Sie, welche Versicherer zu welchen Konditionen versichern, ohne dass eine Ablehnung aktenkundig wird.
Die Unfallversicherung und die Grundfähigkeitsversicherung haben weniger strenge Gesundheitsfragen. Wer bei der BU abgelehnt wird, findet dort oft eine Alternative.
Steuerliche Aspekte
BU-Beiträge sind als Vorsorgeaufwendungen absetzbar, allerdings meist durch Kranken- und Pflegeversicherung bereits ausgeschöpft. Im Leistungsfall wird die BU-Rente mit dem Ertragsanteil besteuert — der liegt je nach Alter und Laufzeit bei 5 bis 20 Prozent. Unfallversicherungsleistungen sind dagegen komplett steuerfrei.