Mietwagen-Versicherung: Welcher Schutz ist wirklich nötig?

Welche Versicherung ist im Mietpreis enthalten?

Mietwagen-Versicherung: Welcher Schutz ist wirklich nötig?

Jeder seriöse Mietwagenvertrag enthält mindestens eine Haftpflichtversicherung und eine Kaskoversicherung (CDW — Collision Damage Waiver). Das Problem: Die Deckungssummen und Selbstbeteiligungen variieren je nach Land und Anbieter erheblich. In Südeuropa sind Haftpflichtdeckungen von nur einer Million Euro keine Seltenheit — deutlich weniger als die in Deutschland üblichen 50 oder 100 Millionen Euro.

Die inkludierte Kaskoversicherung kommt fast immer mit einer hohen Selbstbeteiligung von 800 bis 2.500 Euro. Im Schadenfall müssen Sie diesen Betrag direkt vor Ort zahlen — oft wird er von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht.

Mallorca-Police: Pflicht für Mietwagen im Ausland

Die sogenannte Mallorca-Police ist eine Erweiterung Ihrer deutschen KFZ-Haftpflichtversicherung. Sie stockt die Deckungssumme eines Mietwagens im Ausland auf deutsches Niveau auf. Verursachen Sie mit dem Mietwagen einen Unfall und die Haftpflicht des Vermieters reicht nicht aus, springt die Mallorca-Police ein.

Viele KFZ-Haftpflichtversicherungen in Deutschland enthalten die Mallorca-Police bereits kostenlos. Prüfen Sie Ihren Vertrag, bevor Sie am Mietwagenschalter eine teure Zusatzdeckung kaufen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Mallorca-Police ja — aber über den eigenen KFZ-Vertrag, nicht über den Vermieter.

Selbstbeteiligungsreduzierung: Sinnvoll oder überflüssig?

Am Schalter wird Ihnen regelmäßig eine Selbstbeteiligungsreduzierung (SCDW — Super CDW) angeboten, die die Eigenleistung im Schadenfall auf 0 Euro senkt. Die Kosten: 10 bis 30 Euro pro Tag — bei zwei Wochen Urlaub also 140 bis 420 Euro.

Es gibt günstigere Alternativen: Spezielle Mietwagen-Versicherungen von Drittanbietern kosten 3 bis 8 Euro pro Tag oder 40 bis 80 Euro als Jahrespolice. Sie erstatten die Selbstbeteiligung nachträglich, falls der Vermieter sie einbehält. Die Stiftung Warentest hat solche Policen regelmäßig getestet und bescheinigt vielen Anbietern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Worauf Sie bei der Mietwagenübergabe achten sollten

Mietwagen-Versicherung: Welcher Schutz ist wirklich nötig? - illustration

Dokumentieren Sie alle vorhandenen Schäden vor der Übernahme fotografisch — Kratzer, Dellen, Steinschläge. Lassen Sie sich diese im Übergabeprotokoll schriftlich bestätigen. Bei der Rückgabe sollte ein Mitarbeiter das Fahrzeug in Ihrem Beisein prüfen und Ihnen die Schadenfreiheit schriftlich bestätigen.

Ohne Dokumentation riskieren Sie, für Vorschäden haftbar gemacht zu werden. Besonders bei Vermietern im Ausland berichten Verbraucherschützer regelmäßig von ungerechtfertigten Schadenforderungen Wochen nach der Rückgabe.

Reifen, Unterboden und Glas: Die Ausschlusslücken

Die Standardkasko bei Mietwagen schließt häufig Schäden an Reifen, Unterboden, Dach und Windschutzscheibe aus. Gerade bei Fahrten auf unbefestigten Straßen im Urlaub ist das ein Risiko. Eine erweiterte Glasversicherung und ein Reifenschutz kosten am Schalter 5 bis 10 Euro pro Tag zusätzlich.

Alternative: Eine Jahres-Mietwagenversicherung eines Drittanbieters deckt auch diese Schäden ab — und zwar weltweit und für beliebig viele Anmietungen. Für Vielreisende ist das die wirtschaftlichste Lösung.

Kreditkarten-Versicherung als Ergänzung

Einige Premium-Kreditkarten (Gold, Platinum) beinhalten einen Mietwagen-Versicherungsschutz. Prüfen Sie die Bedingungen genau: Oft gilt die Deckung nur, wenn der Mietwagen mit derselben Karte bezahlt wurde, und die Selbstbeteiligung wird nicht immer vollständig ersetzt. Als alleiniger Schutz reichen Kreditkarten-Versicherungen selten aus — als Ergänzung können sie aber nützlich sein.

Lesen Sie auch

Haufig gestellte Fragen

Brauche ich am Mietwagenschalter zusätzliche Versicherungen?
In den meisten Fällen genügen die inkludierte Grunddeckung plus eine separate Mietwagen-Versicherung vom Drittanbieter und die Mallorca-Police aus Ihrem eigenen KFZ-Vertrag. Die Zusatzversicherungen am Schalter sind oft überteuert.
Gilt die Mallorca-Police auch außerhalb Europas?
Die meisten Mallorca-Policen gelten in den geografischen Grenzen Europas sowie in den Anrainerstaaten des Mittelmeers. Für Mietwagen in den USA, Asien oder Australien benötigen Sie eine separate Deckung.
Was tun, wenn der Vermieter nach der Rückgabe Schäden behauptet?
Widersprechen Sie schriftlich und legen Sie Ihre Fotodokumentation vor. Kontaktieren Sie Ihre Mietwagen-Versicherung und ggf. die Verbraucherzentrale. Unbegründete Forderungen lassen sich mit guter Dokumentation meist abwehren.

Nützliche Online-Rechner