Steigende Tierarztkosten als Treiber
Die Tierarztkosten in Deutschland sind seit der Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im November 2022 deutlich gestiegen. Viele Leistungen wurden um 20 bis 50 Prozent teurer. Eine einfache Konsultation kostet jetzt 30 bis 50 Euro, eine Blutuntersuchung 100 bis 200 Euro, und eine Operation am Kreuzband kann 2.000 bis 4.000 Euro kosten.
Für Tierhalter, die ihrem Tier die bestmögliche Versorgung bieten möchten, können diese Kosten schnell zur Belastung werden. Die Tierkrankenversicherung übernimmt die Tierarztkosten ganz oder teilweise. Der GDV verzeichnet seit der GOT-Reform einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Tierkrankenversicherungen.
Vollversicherung vs. OP-Versicherung
Es gibt zwei grundlegende Produkttypen. Die Tierkrankenvollversicherung übernimmt ambulante und stationäre Behandlungen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und Operationen. Sie ist umfassend, aber teuer — typischerweise 30 bis 80 Euro pro Monat für einen Hund und 20 bis 50 Euro für eine Katze.
Die Tier-OP-Versicherung beschränkt sich auf die Kosten von Operationen unter Vollnarkose, einschließlich Vor- und Nachbehandlung. Sie ist deutlich günstiger — 10 bis 30 Euro pro Monat für einen Hund, 8 bis 20 Euro für eine Katze. Sie deckt die teuersten Einzelereignisse ab, nicht aber die laufenden Tierarztkosten.
Die Stiftung Warentest empfiehlt für die meisten Tierhalter die OP-Versicherung als Basisschutz. Die Vollversicherung lohnt sich vor allem für Besitzer von Rassen mit bekannten Gesundheitsproblemen oder für Tierhalter, die regelmäßig hohe Tierarztkosten haben.
Was die Tierkrankenversicherung abdeckt
Der Leistungsumfang variiert je nach Tarif erheblich. Typische Leistungen der Vollversicherung umfassen ambulante Untersuchungen und Behandlungen, Labordiagnostik und Bildgebung, stationäre Aufenthalte, Operationen inklusive Narkose und Nachsorge, Medikamente und Verbandsmaterial, und je nach Tarif auch Physiotherapie und alternative Heilmethoden.
Die OP-Versicherung deckt dagegen nur Operationen unter Vollnarkose ab, plus die unmittelbar damit verbundene Vor- und Nachbehandlung — typischerweise 14 bis 30 Tage nach der OP.
Worauf Sie beim Vergleich achten sollten
GOT-Satz: Die Gebührenordnung für Tierärzte sieht einen einfachen, zweifachen, dreifachen und vierfachen Satz vor. Notdienste und Spezialisten rechnen oft zum drei- oder vierfachen Satz ab. Gute Tarife erstatten bis zum vierfachen Satz — günstige nur bis zum zweifachen. Der Unterschied kann im Ernstfall Hunderte Euro ausmachen.
Jahreshöchstgrenze: Viele Tarife begrenzen die Erstattung auf einen Jahreshöchstbetrag. Typisch sind 2.000 bis 5.000 Euro bei OP-Versicherungen und 3.000 bis unbegrenzt bei Vollversicherungen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, auf eine ausreichend hohe Grenze zu achten.
Selbstbeteiligung: 20 Prozent Selbstbeteiligung ist üblich und senkt die Prämie spürbar. Bei einer 3.000-Euro-OP bleiben dann 600 Euro beim Tierhalter.
Wartezeit: Die meisten Tarife haben eine Wartezeit von ein bis drei Monaten. In dieser Zeit besteht kein Versicherungsschutz. Unfälle sind oft ab dem ersten Tag gedeckt, Krankheiten erst nach der Wartezeit.
Altersgrenzen: Viele Versicherer nehmen Tiere nur bis zu einem bestimmten Alter auf — häufig sieben bis zehn Jahre bei Hunden, acht bis zwölf Jahre bei Katzen. Je älter das Tier bei Vertragsabschluss, desto höher die Prämie.
Rasseabhängige Unterschiede
Bestimmte Hunderassen wie Bulldoggen, Deutsche Schäferhunde und Labradore haben rassetypische Erkrankungen, die höhere Tierarztkosten verursachen. Die Versicherer berücksichtigen das bei der Prämienkalkulation. Mischlinge sind oft günstiger zu versichern als Rassehunde. Die BaFin empfiehlt, vor der Anschaffung eines Rassehundes die zu erwartenden Versicherungs- und Tierarztkosten einzukalkulieren.
Lohnt sich die Tierkrankenversicherung?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Rein rechnerisch zahlen viele Tierhalter über die Lebensdauer ihres Tieres mehr in die Versicherung ein, als sie an Leistungen zurückbekommen. Die Versicherung lohnt sich trotzdem, wenn Sie die finanzielle Sicherheit schätzen, im Notfall nicht vor einer teuren OP-Entscheidung stehen zu wollen. Denn die Frage, ob wir uns die Behandlung leisten können, sollte nie über die Gesundheit eines Tieres entscheiden.