Was Unterversicherung bedeutet
Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme Ihrer Hausratpolice niedriger ist als der tatsächliche Wert Ihres gesamten Hausrats. Das hat gravierende Folgen im Schadenfall: Der Versicherer kürzt die Erstattung im gleichen Verhältnis, wie Sie unterversichert sind.
Ein Beispiel verdeutlicht das Problem: Ihr tatsächlicher Hausrat ist 80.000 Euro wert, aber Ihre Versicherungssumme beträgt nur 40.000 Euro — Sie sind also zu 50 Prozent unterversichert. Bei einem Wasserschaden mit 10.000 Euro Schaden erstattet der Versicherer nur 5.000 Euro. Das gilt wohlgemerkt auch dann, wenn der konkrete Schaden weit unter der Versicherungssumme liegt.
Warum Unterversicherung so häufig vorkommt
Viele Versicherte haben ihren Vertrag vor Jahren abgeschlossen und seitdem nicht angepasst. Der Hausrat wächst aber mit der Zeit: neue Elektronik, Möbelkäufe, Geschenke, Sport- und Hobbyausrüstung. Studien des GDV zeigen, dass ein durchschnittlicher Haushalt seinen Besitz um 5 bis 10 Prozent pro Jahr erweitert.
Ein anderer häufiger Fehler: Die Versicherungssumme wird grob geschätzt statt systematisch berechnet. Die meisten Menschen unterschätzen den Gesamtwert ihres Besitzes erheblich. Wer beginnt, Raum für Raum aufzulisten, ist oft überrascht, wie schnell sechsstellige Beträge zusammenkommen.
So berechnen Sie den Wert Ihres Hausrats
Die gründlichste Methode ist eine Inventarliste: Gehen Sie jeden Raum durch und notieren Sie alle Gegenstände mit ihrem Neuwert — also dem Preis, den Sie heute für einen gleichwertigen Ersatz zahlen müssten. Vergessen Sie nicht den Keller, den Dachboden, die Garage und den Gartenschuppen.
Kategorien, die häufig vergessen werden: Kleidung und Schuhe (schnell 5.000 bis 15.000 Euro pro Person), Küchenausstattung (Geschirr, Besteck, Töpfe — zusammen 2.000 bis 5.000 Euro), Bücher und Medien, Sportausrüstung, Werkzeug und Hobbyartikel.
Die schnelle Methode: Nutzen Sie die Faustformel des GDV von 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei 100 Quadratmetern wären das 65.000 Euro. Diese Pauschale eignet sich als grobe Orientierung, kann aber bei überdurchschnittlich wertvollem oder bescheidenem Haushalt zu niedrig oder zu hoch sein.
Der Unterversicherungsverzicht
Die eleganteste Lösung gegen Unterversicherung: Vereinbaren Sie einen Unterversicherungsverzicht. Damit verpflichtet sich der Versicherer, im Schadenfall auf die Prüfung der Versicherungssumme zu verzichten — vorausgesetzt, die Wohnfläche ist korrekt angegeben.
Der Unterversicherungsverzicht basiert auf der Wohnflächenregel: Der Versicherer kalkuliert einen Richtwert pro Quadratmeter (650 bis 700 Euro) und verzichtet auf weitere Prüfungen. Der Aufpreis für diese Klausel ist gering und lohnt sich in fast allen Fällen.
Allerdings: Bei überdurchschnittlich wertvollem Hausrat kann auch der Unterversicherungsverzicht an seine Grenzen stoßen. Wenn Ihr Hausrat 120.000 Euro wert ist, die Wohnflächenpauschale aber nur 65.000 Euro ergibt, sind Sie trotz Verzichtsklausel praktisch unterversichert. In solchen Fällen ist eine individuelle Versicherungssumme die bessere Wahl.
Wertgegenstände separat absichern
Besonders wertvolle Einzelstücke — Schmuck, Uhren, Kunstwerke, Antiquitäten — sind in der Hausratversicherung nur bis zu bestimmten Grenzen gedeckt. Typische Obergrenzen: Bargeld 1.000 bis 2.000 Euro, Schmuck und Uhren 20.000 bis 30.000 Euro (außerhalb eines Safes oft nur 20 Prozent der Versicherungssumme).
Für wertvolle Einzelstücke empfiehlt die Verbraucherzentrale eine separate Wertgegenständeversicherung oder eine namentliche Aufzählung im Hausratvertrag mit vereinbartem Wert — belegt durch Kaufbelege oder Gutachten.
Inventarliste digital führen
Eine Inventarliste nützt wenig, wenn sie im Schadenfall zusammen mit dem Hausrat zerstört wird. Speichern Sie die Liste digital in der Cloud, fotografieren Sie wertvolle Gegenstände mit Kaufbelegen und halten Sie die Dokumentation aktuell. Einige Versicherer bieten Apps an, die beim Erstellen und Pflegen der Inventarliste helfen.