Kapitallebensversicherung: Noch zeitgemäß oder ein Auslaufmodell?

Was ist eine Kapitallebensversicherung?

Kapitallebensversicherung: Noch zeitgemäß oder ein Auslaufmodell?

Die Kapitallebensversicherung kombiniert zwei Funktionen: Todesfallschutz und Kapitalanlage. Im Todesfall erhalten die Hinterbliebenen die vereinbarte Versicherungssumme. Erlebt der Versicherte das Vertragsende, bekommt er das angesparte Kapital inklusive Überschussbeteiligung ausgezahlt. In den 1990er-Jahren war das Produkt mit Garantiezinsen von über vier Prozent äußerst attraktiv — heute sieht die Lage anders aus.

Der Höchstrechnungszins, den die BaFin für Neuverträge festlegt, liegt seit 2025 bei 1,0 Prozent. Nach Abzug der Kosten bleibt für Neuverträge eine Rendite, die kaum die Inflation ausgleicht. Die Stiftung Warentest rät seit Jahren von Neuabschlüssen ab.

Warum die Kapitallebensversicherung an Attraktivität verloren hat

Das Problem ist struktureller Natur. Die Kosten sind hoch: Abschlusskosten von bis zu 2,5 Prozent der Beitragssumme, jährliche Verwaltungskosten von 0,5 bis 1,5 Prozent des Guthabens. Bei einem Vertrag mit 30 Jahren Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag können die Gesamtkosten mehrere tausend Euro betragen.

Die Rendite ist mager: Der Garantiezins gilt nur auf den Sparanteil — nach Abzug der Kosten und des Risikobetrags für den Todesfallschutz. Effektiv liegt die Rendite bei Neuverträgen nahe null oder sogar darunter.

Die Unflexibilität ist ein weiterer Nachteil: Einmal abgeschlossen, ist die Kapitallebensversicherung nur unter Verlusten kündbar. Der Rückkaufswert liegt in den ersten Jahren weit unter den eingezahlten Beiträgen. Und die Beiträge lassen sich nicht flexibel anpassen.

Was Bestandskunden beachten sollten

Wer einen Altvertrag mit hohem Garantiezins besitzt — etwa 3 oder 4 Prozent — hat ein wertvolles Produkt in der Hand. Die Verbraucherzentrale rät in solchen Fällen dringend von einer Kündigung ab. Der garantierte Zins gilt für die gesamte Restlaufzeit, und eine vergleichbare sichere Rendite ist am Kapitalmarkt kaum zu finden.

Auch steuerlich sind Altverträge interessant: Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden und mindestens zwölf Jahre laufen, sind bei Auszahlung steuerfrei. Das ist ein Privileg, das kein neues Anlageprodukt bieten kann.

Für Verträge nach 2005 gilt: Die Erträge (Differenz zwischen Auszahlung und eingezahlten Beiträgen) werden mit dem halben persönlichen Steuersatz versteuert, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief und die Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr erfolgt.

Alternativen für Neuabschlüsse

Kapitallebensversicherung: Noch zeitgemäß oder ein Auslaufmodell? - illustration

Die Stiftung Warentest empfiehlt statt einer Kapitallebensversicherung die Kombination aus Risikolebensversicherung und separater Geldanlage. Die Risikolebensversicherung kostet nur einen Bruchteil und bietet den gleichen Todesfallschutz. Das gesparte Geld kann in ETFs, Tagesgeld oder Festgeld investiert werden — mit höherer Rendite und mehr Flexibilität.

Fondsgebundene Rentenversicherungen sind eine weitere Alternative für die Altersvorsorge mit Versicherungsmantel. Sie bieten die Chance auf höhere Renditen durch Fondsanlage, behalten aber den Steuervorteil des Versicherungsmantels.

Private Rentenversicherungen klassischer Prägung bieten Sicherheit und lebenslange Rente — allerdings ebenfalls mit niedrigen Garantiezinsen.

Kündigung, Beitragsfreistellung oder Verkauf?

Wer seinen Vertrag loswerden möchte, hat drei Optionen. Die Kündigung bringt den Rückkaufswert, der gerade in den ersten Jahren enttäuschend niedrig ist. Die Beitragsfreistellung beendet die Beitragszahlung, der Vertrag läuft mit reduzierter Versicherungssumme weiter. Und der Verkauf an einen Policenaufkäufer kann mehr bringen als der Rückkaufswert — der GDV empfiehlt, mindestens drei Angebote einzuholen.

Wichtig: Vor einer Kündigung sollte immer der tatsächliche Rückkaufswert beim Versicherer angefordert und mit dem bisher eingezahlten Betrag verglichen werden. Oft ist die Beitragsfreistellung die bessere Wahl als die Kündigung.

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Haufig gestellte Fragen

Lohnt sich der Abschluss einer Kapitallebensversicherung heute noch?
In der Regel nicht. Die Rendite ist nach Kosten minimal, und die Kombination aus Risikolebensversicherung und ETF-Sparplan bietet mehr Schutz und mehr Ertrag.
Sollte ich meinen Altvertrag mit hohem Garantiezins kündigen?
Nein. Verträge mit 3 oder 4 Prozent Garantiezins sind wertvolle Anlagen, die Sie nicht am Kapitalmarkt ersetzen können. Halten Sie den Vertrag bis zum Ende.
Ist die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung steuerfrei?
Bei Verträgen vor 2005 ja, wenn sie mindestens 12 Jahre liefen und bestimmte Bedingungen erfüllen. Bei neueren Verträgen wird der Ertragsanteil versteuert.
Was ist der Unterschied zwischen Kapitallebens- und Risikolebensversicherung?
Die Risikolebensversicherung zahlt nur im Todesfall und hat keinen Sparanteil. Sie ist daher viel günstiger. Die Kapitallebensversicherung kombiniert Todesfallschutz mit einer Sparkomponente.

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